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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 19. Februar 2021

Bevölkerungsentwicklung: Corona bremst die Zuzüge aus

WENIGER KARLSRUHER: Die Einwohnerzahl der Stadt ging im „Corona“-Jahr 2020 auf unter 300.000 zurück. Dafür entscheidend war nicht die Mortalitätsrate, sondern die negative Wanderungsbilanz. Foto: Steffler

WENIGER KARLSRUHER: Die Einwohnerzahl der Stadt ging im „Corona“-Jahr 2020 auf unter 300.000 zurück. Dafür entscheidend war nicht die Mortalitätsrate, sondern die negative Wanderungsbilanz. Foto: Steffler

 

Bevölkerungsentwicklung in Karlsruhe zeigt negativen Trend / Nach Jahren des Wachstums sank Einwohnerzahl 2020 knapp unter die Marke von 300.000

Nach Jahren des Bevölkerungswachstums ist die Karlsruher Einwohnerzahl im Jahr 2020 spürbar um 4.626 Personen gesunken. Zum Jahresende waren nur noch 299.785 Personen mit Hauptwohnsitz in der Fächerstadt gemeldet. Das waren etwa 1,5 Prozent weniger als im Vorjahr (2019: 304.411 Personen). Dies ergab eine Auswertung des Amts für Stadtentwicklung auf Basis des Melderegisters.

Bürgermeister Dr. Albert Käuflein betont, dass „das stetige Wanderungsplus des letzten Jahrzehnts aus dem Ausland sowie von jungen Studierenden oder Auszubildenden durch die Corona-Pandemie abrupt unterbrochen wurde“. Die Stadt hoffe, so Käuflein, „dass Karlsruhe bei normalen Verhältnissen wieder ein attraktiver Anziehungspunkt für junge Menschen in Ausbildung oder Studium sowie für ausländische Fachkräfte wird“.

Wanderungsverluste

Im zweiten Jahr in Folge musste die Fächerstadt 2020 einen Wanderungsverlust verbuchen. Insgesamt zogen im vergangenen Jahr (ohne Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge LEA) 3.489 Personen mehr aus Karlsruhe weg als zu, 2019 waren dies nur 357 Personen. Gegenüber früheren Jahren waren sowohl die Zu- als auch die Wegzüge deutlich zurückgegangen. Nur 17.928 Personen verlegten 2020 ihren Hauptwohnsitz von außerhalb in die Fächerstadt - so wenige wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Zwischen 2017 und 2019 waren jährlich noch mehr als 23.000 Zuzüge gezählt worden. Insgesamt 21.417 Karlsruherinnen und Karlsruher kehrten 2020 der Stadt den Rücken und zogen in andere deutsche Kommunen oder ins Ausland. Mit einem Minus von 8,3 Prozent gegenüber 2019 fiel der Rückgang bei den Wegzügen allerdings schwächer aus als bei den Zuzügen (Minus 22,1 Prozent) und sorgte so für einen negativen Wanderungssaldo.

In den vergangenen Jahren hatten insbesondere Zuzüge von jungen Erwachsenen und Ausländerinnen und Ausländern zum Wachstum der Fächerstadt beigetragen. Im Jahr 2020 hingegen musste Karlsruhe auch bei der Bevölkerung ohne deutschen Pass – zum ersten Mal in den letzten 15 Jahren – Wanderungsverluste verbuchen (814 Personen). Die Zahl der Ausländerinnen und Ausländer in Karlsruhe sank im vergangenen Jahr auf 54.831 Personen (2019: 56.058). Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug im Dezember letzten Jahres 18,3 Prozent (2019: 18,5 Prozent).

Die Wanderungsbilanz von Personen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren blieb im vergangenen Jahr mit einem Plus von 1.104 Personen positiv, fiel jedoch im Vergleich zu den Vorjahren deutlich geringer aus. Zwischen 2017 und 2019 hatte der jährliche Wanderungsgewinn in dieser Altersgruppe bei durchschnittlich 3.365 Personen gelegen.

Die außergewöhnlichen Wanderungsverluste beziehungsweise die geringen Wanderungsgewinne – bedingt durch eine ungewöhnlich niedrige Zahl an Zuzügen – stellen die Statistiker des Amts für Stadtentwicklung in engen Zusammenhang mit den Corona-bedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Vor dem Hintergrund von Einreisebeschränkungen für Ausländerinnen und Ausländer sowie der überwiegend digitalen Abwicklung des Hochschulbetriebs erscheint den Experten eine geringe Zuwanderung von Personen im Studierendenalter oder ohne deutschen Pass kaum verwunderlich. Darüber hinaus hat auch die pandemiebedingte Unsicherheit am Arbeitsmarkt zu einem gebremsten Zuzug nach Karlsruhe beigetragen.

Niedrigste Geburtenzahl

Wie bereits in den vergangenen Jahren (Ausnahme 2016) starben auch 2020 mehr Karlsruherinnen und Karlsruher als geboren wurden. Mit 2.670 Geburten kamen im letzten Jahr so wenige Kinder zur Welt wie zuletzt 2012 – zwischen 2017 und 2019 waren es im Schnitt rund 170 Lebendgeborene mehr pro Jahr gewesen. Auch die Zahl der Sterbefälle lag in Karlsruhe 2020 geringfügig unter dem Niveau der Vorjahre. Im Laufe des vergangenen Jahres verstarben 2.957 Einwohnerinnen und Einwohner (Mittelwert 2017 bis 2019: 3.021 Verstorbene pro Jahr). Die Zahl der Todesfälle sank somit auf den niedrigsten Wert seit vier Jahren. Von pandemiebedingter Übersterblichkeit in Karlsruhe können die Statistiker auf Basis dieser Zahlen nicht sprechen. -red-/-trö-

 
 

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