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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 19. Februar 2021

Stadtgeschichte: Großer Wohltäter

MANN VON WELT: Georg Stulz von Ortenberg. Bild: Stadtarchiv

MANN VON WELT: Georg Stulz von Ortenberg. Bild: Stadtarchiv

 

Georg Stulz von Ortenberg vor 250 Jahren geboren

Georg Stulz, am 17. Februar 1771, also vor 250 Jahren, in Kippenheim geboren, sollte wie der Vater Schneider werden. Nach den Gesellenwanderjahren zog es ihn weiter hinaus in die Welt.

Als Diener eines englischen Adeligen kam er über Genf nach London, arbeitete dort im deutschen Herrenmodehaus Schweitzer wieder als Schneider. Vom Teilhaber und schließlich Alleininhaber avancierte Stulz zum Modekönig der damals noch nicht so bezeichneten Haute Couture von London. Der Badener stattete das britische Königshaus wie den Adel und damit das nacheifernd gehobene Bürgertum aus, exportierte gar in ferne Länder des Kolonialreichs. Ein großes Vermögen erwarb er sich auch durch die Uniformbelieferung der königlichen Garde-Husaren wie überhaupt durch Offiziersuniformen sowie geglückte Investments.

Der Multimillionär, nach heutigen Maßstäben, ließ sich die letzten Lebensjahre in Hyères am französischen Mittelmeer nieder. Stulz, unverheiratet und kinderlos, spendete große Teile seines Vermögens in London und Hyères sowie für seine Heimat. Das Geld ging an Kippenheim und vom Rheinhochwasser 1831 besonders betroffene Orte. In Karlsruhe bedachte er Stadt, Polytechnikum (heute KIT) und Lehrerfortbildungsanstalt (heute Pädagogische Hochschule) mit beträchtlichen Summen.

Aus einer hohen an Großherzog Leopold übergebenen Summe ging postum die noch bestehende Stulzsche Waisenstiftung im Kloster Lichtenthal in Baden-Baden hervor. Kaum drei Monate vor seinem Tod erhob Leopold ihn zum Dank dafür in den Adelsstand – als Freiherr von Ortenberg. Die Stadt Karlsruhe hatte ihm, als drittem Menschen überhaupt, bereits 1830 die Ehrenbürgerwürde verliehen. Diese erhielt er auch in anderen Gemeinden. Der adlige Schneider starb am 17. November 1832 in Hyères. Seit 1964 erinnert die Stulzstraße in Grünwinkel an den Maestro, der er über einen nicht in die Wiege gelegten, außergewöhnlichen Lebensweg wurde. -jsk-

 
 

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