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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 19. März 2021

Fahrradhauptstadt: Rad-Olymp erneut erklommen

MEHR SPASS ALS STRESS: Vor allem für die Karlsruher Radverkehrsinfrastruktur gab es beim FahrradklimaTest 2020 gute Noten. Foto: MMG

MEHR SPASS ALS STRESS: Vor allem für die Karlsruher Radverkehrsinfrastruktur gab es beim FahrradklimaTest 2020 gute Noten. Foto: MMG

 

„Durchdachtes Gesamtbild“: ADFC kürt Karlsruhe zur fahrradfreundlichsten Großstadt / OB Mentrup sieht noch „Luft nach oben“ und wünscht flächendeckend Tempo 30

Mission Titelverteidigung geglückt: Karlsruhe ist weiterhin die fahrradfreundlichste Großstadt Deutschlands. Im aktuellen Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) errang die Fächerstadt erneut die Spitzenposition. Mit einer Durchschnittsnote von 3,07 wurde – wie schon beim letzten Mal vor zwei Jahren – die langjährige Fahrradhochburg Münster auf Rang zwei verwiesen, gefolgt von Freiburg auf dem dritten Platz.

„Dieses Ergebnis ist eine wunderbare Bestätigung unserer Anstrengungen, das Radfahren in Karlsruhe noch attraktiver zu machen“, freute sich Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup. „Es zeigt, dass unsere Radverkehrsförderung gut angelegtes Geld ist und die Nachhaltigkeit sichtbar wird.“ Letzteres bestätigte der ADFC bei der digitalen Auszeichnungsveranstaltung mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. ADFC-Vorstandsmitglied Rebecca Peters würdigte Karlsruhe als „gut durchdachtes Gesamtbild“ sowie als Beispiel dafür, „dass Ernsthaftigkeit und Konsequenz genau das sind, was der Radverkehr braucht“.

Dafür benötigt es aber auch Unterstützung aus der Bundespolitik, weshalb OB Mentrup bei der Veranstaltung einen konkreten Wunsch an den Minister richtete: Der Bund solle über eine Versuchsklausel ermöglichen, dass in Städten grundsätzlich Tempo 30 die Höchstgeschwindigkeit bildet und 50 Kilometer pro Stunde nur noch in Ausnahmefällen erlaubt sind. „Wir können unser Ziel von mehr als 50 Prozent Radverkehrsanteil über die normale Radverkehrsinfrastruktur nicht bewältigen“, begründete das Stadtoberhaupt seinen Vorstoß.

Dass das Fahrrad spätestens in der Corona-Pandemie enorm an Stellenwert gewinnt, zeigt die Resonanz der ADFC-Umfrage. In diesem Jahr wurde bundesweit ein neuer Rekord an Teilnehmenden erzielt. Karlsruhe liegt dabei mit einem Zuwachs von 41 Prozent auf nunmehr 2.682 ausgefüllte Fragebogen über dem Durchschnitt. Grundsätzlich macht es den Karlsruherinnen und Karlsruhern mehr Spaß als Stress, in der Fächerstadt zu radeln, die Note 2,6 bei dieser Frage stellt einen Spitzenwert dar. Besonders gut bewertet wurde die Infrastruktur des Radverkehrsnetzes, etwas bei der Erreichbarkeit des Stadtzentrums (1,9).

Darin spiegelt sich der Ausbau von Radrouten auf Hauptachsen wie Rhein-, Haid-und-Neu- sowie Kapellenstraße wider. Gute Noten erhielten zudem die Fahrradverleihsysteme (2,1) und die Mitnahmemöglichkeiten im öffentlichen Nahverkehr (2,6). Auf weniger Akzeptanz stießen Ampelschaltungen (3,9) und Falschparkerkontrolle auf Rad-wegen (4,3). Auch wurden die großen Bemühungen der Stadt, den Radverkehr an den Kombilösungsbaustellen sicher zu führen sowie durch den Aufbau von stabilen 700 Fahrradständern Diebstähle zu erschweren, nicht honoriert: Die Noten waren wie vor zwei Jahren unverändert schlecht.

Daher sieht der OB die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests zugleich als einen Ansporn für die Zukunft. Mit Blick auf die um 0,08 Punkte verbesserten Gesamtnote sagte Mentrup: „Wir sind zwar auf dem ersten Rang gelandet, aber mit der Note ‚befriedigend‘, da ist noch viel Luft nach oben.“ Neben mehr Sicherheit etwa durch aufgeweitete Radaufstellstreifen an Kreuzungen und das Markieren von Fahrradstraßen, liegt ein Schwerpunkt künftig auf der Vernetzung mit dem Umland.

Der Bau von Radschnellwegen Richtung Ettlingen und Rastatt ist ein erster Schritt, um Pendlerinnen und Pendler aus der Region zum Umsteigen anzuregen. Des Weiteren wird nach Abschluss des Audit-Verfahrens BYPAD aus dessen Ergebnissen das „Karlsruher Programm für aktive Mobilität“ weiterentwickelt. „Mit diesem Programm wollen wir zu einer Vorzeige-Stadt der Verkehrswende werden“, betonte der Oberbürgermeister. -eck-

 
 

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