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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 19. März 2021

Wochen gegen Rassismus: Rassismus sichtbar machen

ENGAGIERTE ONLINE-DEBATTE zum Start der Wochen gegen Rassismus. OB Dr. Frank Mentrup diskutierte dabei mit diversen Akteuren. Foto: Knopf

ENGAGIERTE ONLINE-DEBATTE zum Start der Wochen gegen Rassismus. OB Dr. Frank Mentrup diskutierte dabei mit diversen Akteuren. Foto: Knopf

 

Wochen gegen Rassismus mit Online-Podium gestartet / Sensibilisierung Thema

Pandemiebedingt fand der offizielle Auftakt der Internationalen Wochen gegen Rassismus am Dienstag digital statt. Mehrere dutzend Veranstaltungen informieren rund zwei Wochen zur Thematik, die beim Start unter dem Oberbegriff „Institutioneller Rassismus“ stand. Rassistische Wirkungsweisen sichtbar machen, um Veränderungen zu schaffen, lautet die Intention.

Die Diskussion startete mit Kritik an der Stadt. Anna Feldbein vom die ganze Reihe veranstaltenden Netzwerk gegen Rassismus monierte, dass die Wochen gegen Rassismus nur noch alle zwei Jahre stattfinden und sich mit den Europäischen Kulturtagen abwechseln. „Das ist keine nach-haltige Strategie, um Rassismus zu bekämpfen“, sagte sie. Zwei Wochen „eine bunte Stadt“ zu propagieren, reiche nicht. Ferner kritisierte sie die Art der Bezuschussung. OB Dr. Frank Mentrup verwehrte sich gegen die Vorwürfe. „Ich kann die Kritik an Alibi-Wochen nicht nach-vollziehen. Karlsruhe ist im europä-ischen Netzwerk gegen Rassismus eines der engagiertesten Mitglieder mit einer aktiven Zivilgesellschaft. Es gibt enge Kontakte zur Black-Lives-Matter-Bewegung“, erklärte Mentrup. Ferner verwies er darauf, dass gerade auch die Europäischen Kulturtagen Themen wie Werte und Menschenrechte behandeln.

Eine Mitdiskutantin auf dem Podium war Sharon Dodua Otoo, die 2016 den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann. Sie las den Titel „Vor der Grenze“ und erwähnte Amanda Gorman, die bei der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden im Januar mit ihrem Gedicht „The hill we climb“ die Welt beeindruckte. Gorman habe getwittert: „An einem Tag eine Ikone, den nächsten eine Bedrohung“. Die Afro-Amerikanerin wurde von einem Sicherheitsbeamten mit der Begründung kontrolliert: „Du siehst verdächtig aus.“ Auch die Frage, ob Nichtschwarze das Gedicht der jungen Frau für Verlage über-setzten dürfen, thematisierte sie. Sylvia Holzhäuer-Ruprecht, Soziologin und Empowerment-Referentin, sprach über institutionellen Rassismus, der sich reproduziere. Es genüge nicht, dass etwas in der Verfassung stehe. „Die Menschenwürde ist unantastbar. Die Realität sieht anders aus.“ Prof. Karim Fereidooni, der die Bundesregierung im Kampf gegen Rassismus berät und dem Stiftungsbeirat Forum Recht angehört, bestätigte, dass Rassismus 24 Stunden am Tag stattfinde und nicht aufhöre „nur weil sich jemand Anti-Rassismus auf die Fahne schreibt“.

Dennoch sei die aktuelle Bundesregierung diejenige, die so viel tue, wie keine andere: 89 Maßnahmen bei Polizei oder Bundeswehr seien ein guter Start. Otoo beschrieb Rassismus wie „eine Hintergrund-Musik, die immer läuft“. Wichtig ist eine Anti-Diskriminierungsstelle, bei der sich Betroffene beschweren können, sagte OB Mentrup; die in Karlsruhe habe einen direkten Draht zu ihm. „Wir müssen das offensiv angehen. Fortbildungen sind ein Thema. Wir müssen Sensibilität erzeugen.“ Eine gesellschaftliche Debatte sei nötig. Auch die Selbst-Organisation von Betroffenen wäre hilfreich, betonte der OB und dankte dem Netzwerk für ein gigantisches Programm. -voko-

 
 

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