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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 30. April 2021

25. Europäische Kulturtage Karlsruhe: Nachdenken über neue EUtopien

VOR LEEREN RÄNGEN: Bürgermeister Dr. Albert Käuflein, Kulturamtsleiterin Dr. Susanne Asche und die Chefdramaturgin des Staatstheaters, Sonja Walter, beim virtuellen Pressegespräch in der Kinemathek. Foto: MMG

VOR LEEREN RÄNGEN: Bürgermeister Dr. Albert Käuflein, Kulturamtsleiterin Dr. Susanne Asche und die Chefdramaturgin des Staatstheaters, Sonja Walter, beim virtuellen Pressegespräch in der Kinemathek. Foto: MMG

 

„Europa – ein Versprechen“: Jubiläumsausgabe setzt vom 2. bis 16. Mai auf Flexibilität und digitale Formate

Die 25. Europäischen Kulturtage zum Thema „Europa – ein Versprechen“ wagen nach der pandemiebedingten Verschiebung vom 2. bis 16. Mai einen neuen Anlauf. Dabei setzen Stadt, Badisches Staatstheater und rund 30 lokale Kulturpartner, darunter erstmals das Forum Recht, auf Flexibilität. Und sie arbeiten mit digitalen wie hybriden Formaten.

In mehr als 70 Veranstaltungen beleuchtet die Jubiläumsausgabe der Reihe, wie es um Europa, um Solidarität und Zusammenhalt bestellt ist. Die Akteurinnen und Akteure beschäftigen sich mit Grenzen und Freiheit. Sie wagen den Blick von außen auf Europa, suchen weltweit nach Gemeinsamkeiten – und nach internationalen Einflüssen vor der Haustür, erinnern an das Versprechen Europas, dass sich die menschenverachtende Vergangenheit nicht wiederholen darf. „Wir laden dazu ein, über Utopien nachzudenken“, sagte Kulturbürgermeister Dr. Albert Käuflein beim virtuellen Pressegespräch.

Nichts sei selbstverständlich. Das Corona geschuldete Schließen nationaler Grenzen habe gezeigt, dass in Krisenzeiten bisher Gültiges infrage gestellt wurde. Ihn besorge das „Erstarken von Radikalismus und Extremismus“. Europa drohe an vielen Stellen auseinanderzubrechen, „erosive Kräfte“ brächen sich Bahn und diesen „wollen wir etwas entgegenstellen“.

Die Organisation eines Festivals in pandemischen Zeiten erfordere, mit „dem Unplanbaren zu leben“, sich ständig an neue Gegebenheiten anzupassen, war Kulturamtsleiterin Dr. Susanne Asche beeindruckt von der „Kreativität und dem Elan“ der Beteiligten, dem starken Zusammenhalt. Die ursprünglich analog geplanten und jetzt „in digitale Räume aufgelösten“ Kulturtage bedürfen hohen Aufwands.

Für das Staatstheater verwies Chefdramaturgin Sonja Walter auf die Vielfalt der Formate. Künstlerisch „können wir ein tolles Online-Programm machen“, was fehle, seien „die vollen Sessel“ und die unmittelbaren Begegnungen. Ersatzweise gibt es für Interessierte Gelegenheit, sich via Zoom auszutauschen oder sich online über das Konferenztool wonder.me im Festival-Café #EUtopia der Kinemathek zu treffen und dort etwa auch Konzerte, Gesprächsreihen oder etwa eine Kochshow zu erleben.

Als Festredner für den digital im EKT-TV live verfolgbaren Eröffnungsabend am Sonntag, 2. Mai, um 18 Uhr aus dem Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) spricht – digital zugeschaltet – Leoluca Orlando, Bürgermeister von Palermo sowie Abgeordneter des sizilianischen und des italienischen Parlaments. Für seine Flüchtlingspolitik sowie für seine Kulturinitiativen gegen die Mafia und gegen Rassismus erhielt er zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. Exemplarisch für herausragende Festivalbeiträge steht das europäische Ausstellungs- und Rechercheprojekt des Badischen Kunstvereins „Dinge, die wir voneinander ahnen“.

Der Kunstverein tritt darin zusammen mit tranzit.at aus Wien und Künstlerinnen und Künstlern aus Sarajevo, Lviv, Kiew, Baku, Prag, Minsk, Eriwan, Krasnodar, Timișoara und Bukarest in einen langfristigen Dialog über das Bild von Europa. Das Badische Staatstheater zeigt neben vielen weiteren Produktionen wie der Jugendoper „Das Tagebuch der Anne Frank“ eine eigens für die EKT gefilmte Version der „Neuen Todsünden“ – sieben Kurzdramen von europäischen Autorinnen.

Diese greifen jeweils eine der sieben von Mahatma Gandhi formulierten neuen Todsünden auf und fragen, wie es in der Welt des 21. Jahrhunderts um die Thesen Gandhis steht. Dem Holocaust und der Geschichte der Sinti und Roma widmet das Stadtmuseum eine Ausstellung, die Städtische Galerie begibt sich auf „Verborgene Spuren. Jüdische Künstler*innen und Architekt*innen in Karlsruhe 1900-1950“ und in der Schau „Alle nach Oberreut“ berichten Menschen über ihr Ankommen und Leben im Stadtteil.

Tagesaktuelle Informationen zu Terminen und Formaten finden sich auf www.europaeische-kulturtage.de. Wer sich Lesestoff zum Thema Europa wünscht, greift zum Begleitbuch mit Beiträgen von Ursula von der Leyen, Stephan Harbarth, Rebecca Saunders oder Mitgliedern der Fridays for Future Bewegung, das per E-Mail an ekt@kultur.karlsruhe.de kostenlos bestellbar ist. -maf-

 
 

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