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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 30. April 2021

Hauptfeuerwache: Neues Zuhause für die Berufsfeuerwehr

MIT DER WACHABTEILUNG 3 und Blaulicht an 13 Fahrzeugen kam auch Branddirektor Florian Geldner in der neuen Wache der Berufsfeuerwehr an, wo ihn Bürgermeisterin Bettina Lisbach direkt am Kommandowagen in Empfang nahm. Foto: Steffler

MIT DER WACHABTEILUNG 3 und Blaulicht an 13 Fahrzeugen kam auch Branddirektor Florian Geldner in der neuen Wache der Berufsfeuerwehr an, wo ihn Bürgermeisterin Bettina Lisbach direkt am Kommandowagen in Empfang nahm. Foto: Steffler

DAS SCHILD der Karlsruher Berufsfeuerwehr am alten Gebäude in der Ritterstraße 48 schraubten Joachim Orloff (links), der bald in Ruhestand geht, und Branddirektor Florian Geldner ab. Foto: Steffler

DAS SCHILD der Karlsruher Berufsfeuerwehr am alten Gebäude in der Ritterstraße 48 schraubten Joachim Orloff (links), der bald in Ruhestand geht, und Branddirektor Florian Geldner ab. Foto: Steffler

 

Nach 95 Jahren hat das bisherige Domizil in der Ritterstraße 48 ausgedient / In der Zimmerstraße 1 beziehen die Floriansjünger eine deutlich modernere Heimat

Die alte Hauptfeuerwache ist endgültig Geschichte. Bei einem Corona-konformen Termin besuchte Bürgermeisterin Bettina Lisbach das neue Ensemble in der Zimmerstraße 1 für den Dienstauftakt in der neuen Wache: „Obwohl wir zu diesem Ereignis kein Publikum zulassen konnten, wollen wir mit dem Umzug für unsere Berufsfeuerwehr ein neues Kapitel aufschlagen“.

Branddirektor Florian Geldner bedankte sich bei der Bürgermeisterin: „Wir sind im Verband von der alten zur neuen Wache gefahren. Obwohl der Termin nicht öffentlich bekannt war, haben uns viele Menschen zugeschaut. Das war beeindruckend. Ich bedanke mich für die großzügige Unterstützung der Stadt beim Bau der Hauptfeuerwache.“ Die Stadt hatte das Stuttgarter Architekturbüro H III S, harder stumpfl schramm engagiert.

Die Experten ließen ein markantes Gebäudeensemble bauen, das im Umfeld entlang der Wolfartsweierer Straße einen städtebaulichen Akzent setzt. Blickfang ist die Fassade aus gekantetem und perforiertem Aluminium, die einen Rhythmus aus verhüllten und für die Fenster freigelassenen Flächen bildet. An der Gebäuderückseite schließt die große Wagenhalle an, deren intensiv begrüntes und nutzbares Dach die Architekten wie einen kleinen Park mit Übungsbereichen, einer Joggingstrecke und Beeten gestalteten.

Zu ihrem ersten Dienst an der neuen Adresse war die Wachabteilung 3 mit 13 Fahrzeugen und Blaulicht angerückt. In seinem Grußwort an die Premieren-Mannschaft schaute Kommandant Geldner etwas wehmütig auf das alte Zuhause: „Wir haben auch einige Abschiedstränen in den Augen.“ Um die alte Hauptfeuerwache ranken sich viele Geschichten.

„Zum Abschied haben wir ein paar Persönlichkeiten eingeladen, die uns von der Vergangenheit erzählen können“, hatte Geldner einige Tage zuvor Medienvertreter zum letzten Mal in der Ritterstraße 48 begrüßt. Der oberste Karlsruher Feuerwehrmann ließ seine Mitarbeitenden mit viel Getöse zum guten Schluss nochmal ausrücken. Also rutschten die Profis, wie schon so oft geübt, beim Probealarm in ihre Schutzkleidung und sprangen in die Spezialfahrzeuge.

„Früher hatten wir noch keine spezielle Kleidung. Das kam erst später“, erinnerte sich Ruheständler Klaus Hand, den alle nur Roger nennen. „Als ich 1967 angefangen habe, gab es unter den Kameraden fünf Mal Klaus. Da war ich ganz schnell der Roger“, erklärte der Pensionär. Bei seiner persönlichen Tour präsentierte er seinen ehemaligen Arbeitsplatz, den Schlauchkeller. „Hier war es im Winter warm und im Sommer kühl.“ Stolz führte Roger zu der Waschanlage für die Schläuche. „In dieser Straße sind sie gesäubert und per Zug in den Trockenturm hochgezogen worden“, berichtete der Rentner.

Im Hof begegnete er einem der ehemaligen Kollegen, der noch nicht im Ruhestand ist. Herzlich begrüßten sich die beiden. „So eine Kameradschaft wie es sie in der Feuerwehr gibt, existiert nirgendwo“, sagte Roger. Zu seinen Chefs gehörte auch Bernd Wichmann, der Vorgänger Geldners. Der wurde in seinem alten Herrschaftsbereich ein bisschen nostalgisch, indem er den denkmalgeschützten Herrmann-Billing-Bau lobte: „Unsere Tore sind noch die originalen. Dieses Gebäude hat in den 95 Jahren, also seit 1926, im Dauerbetrieb seinen Zweck mehr als erfüllt.“ Wichmann erinnerte auch die Sanierung in den Achtzigern: „Wir haben damals die neue Heizung bekommen und viel in Eigenarbeit erledigt.“

Unter den ehemaligen Mitarbeitern war auch eine Sekretärin der Branddirektion – Doris Wilke erinnerte sich an den Jagdhund des ehemaligen Branddirektors Helmut Farrenkopf. Sie hatte Angst vor dem aggressiven Tier. „Die Feuerwehrleute haben den Hund manchmal bespritzt, wenn sie sich vom Chef ungerecht behandelt fühlten“, berichtete die Ex-Sekretärin. Wegen seiner Aggressivität habe sie den Jagdhund, der in Farrenkopfs Büro auf einem grünen Teppich gelegen habe, stets mit großem Respekt behandelt.

Zurück in der Gegenwart gilt es, die Wache in der Zimmerstraße 1 mit Leben und Geschichten zu füllen. Die ersten Anekdoten könnten mit Details entstehen, die im neuen Gebäude noch nicht fertig geworden sind. Lisbach betonte denn auch: „Wie bei einem privaten Umzug ist noch nicht alles komplett. Es fehlen Kleinigkeiten, aber Improvisation gehört dazu und dafür ist ja besonders die Feuerwehr bekannt.“ -cf-

 
 

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