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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 9. Juli 2021

Synagoge: Vor 50 Jahren eingeweiht

ZEREMONIELL: Ein gesellschaftlich bedeutungsvoller und ein heiliger Moment war der Einzug der Thorarollen, vorne zu sehen Landesrabbiner Nathan Peter Levinson, in Karlsruhes neue Synagoge. Foto: Stadtarchiv

ZEREMONIELL: Ein gesellschaftlich bedeutungsvoller und ein heiliger Moment war der Einzug der Thorarollen, vorne zu sehen Landesrabbiner Nathan Peter Levinson, in Karlsruhes neue Synagoge. Foto: Stadtarchiv

 

Seit 1971 hat Karlsruhe wieder eine Synagoge, ein heute denkmalgeschütztes Zeichen

Knapp 33 Jahre nach barbarischer Zerstörung der Karlsruher Synagoge unter NS-Herrschaft erhielt die Fächerstadt einen neuen jüdischen Sakralbau. Samt Gemeindezentrum und Verwaltungsgebäude wurde die Synagoge am 4. Juli 1971 an der Knielinger Allee eingeweiht – also vor nunmehr 50 Jahren. Die Feierlichkeit fand unter Beteiligung der Kommunal-, der Landes- und der Bundespolitik statt, für Letztere war Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher dabei.

Es war der vierte eigenständige Synagogenbau in Karlsruhe. Der erste in der Kronenstraße war 1800 von Friedrich Weinbrenner fertiggestellt worden. Nach einem Brand sorgte Josef Durm 1875 für die Nachfolge an gleicher Stelle für die liberale jüdische Gemeinde. In der Karl-Friedrich-Straße kam 1881 die Synagoge der 1869/70 gegründeten orthodoxen jüdischen Gemeinde hinzu. Beide Synagogen wurden in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch Feuer vernichtet. Zu diesen Sakralbauten können noch die beiden als Synagogen dienenden Betsäle der jüdischen Gemeinde hinzugezählt werden: ab 1724 in der Kronenstraße und ab 1946 im Hofgebäude des Gemeindehauses Herrenstraße 14, die, 1951 beträchtlich ausgebaut, der Gemeinde bis zum Neubau als Synagoge diente.

Dieser Gebäudeflügel wurde nach dem Neubau in der Knielinger Allee zugunsten des entkernten und lichten Zentralhofs abgerissen. Der Gemeinderat hatte am 7. Mai 1968 einmütig den Synagogenbau beschlossen, finanziert von Stadt und Land, die jüdische Gemeinde brachte einen Teil ihres Grundstücks in der Herrenstraße ein. Die Ausführung übernahm das Architektenbüro Backhaus & Brosinsky. So entstand im Stil der modernen Architektur ein Sakralbau mit Gemeindefestsaal und anschließendem Flachbau für Funktionsräume. Dafür gab es kein Vorbild, so ist das moderne Karlsruher Ensemble nicht nur ein architektonisches Juwel der Stadt, sondern auch darüber hinaus vielfach bewundert. Synagoge und Gemeindezentrum sind heute denkmalgeschützt. -jsk-

 
 

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