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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 23. Juli 2021

Pfinzgaumuseum zeigt Sonderausstellung „Wasser marsch“: Stadtspritze setzte ersten Strahl

SYMBOL: Dr. Ferdinand Leikam und der Kommandant der Durlacher Wehr Gregor Franke mit OB Dr. Frank Mentrup, Ortsvorsteherin Alexandra Ries und Dr. Susanne Asche (v. l.)   bei der Durlacher Stadtspritze aus dem Jahre 1846. Foto: Steffler

SYMBOL: Dr. Ferdinand Leikam und der Kommandant der Durlacher Wehr Gregor Franke mit OB Dr. Frank Mentrup, Ortsvorsteherin Alexandra Ries und Dr. Susanne Asche (v. l.) bei der Durlacher Stadtspritze aus dem Jahre 1846. Foto: Steffler

TONI FASZINIERT FEUERWEHR: Auch die jungen Besucher kommen in „Wasser marsch“ voll und ganz auf ihre Kosten. Foto: Tröndle

TONI FASZINIERT FEUERWEHR: Auch die jungen Besucher kommen in „Wasser marsch“ voll und ganz auf ihre Kosten. Foto: Tröndle

 

Einblick in 175 Jahre Freiwillige Feuerwehr Durlach / Lebendige Vermittlung

Die Geburtstagsveranstaltungen fielen Corona zum Opfer. Dennoch haben Interessierte im Jubiläumsjahr Gelegenheit, der Freiwilligen Feuerwehr Durlach und ihrer 175-jährigen Geschichte näherzukommen. Wesentliche Entwicklungen und Ereignisse von den Anfängen der Wehr bis in die Gegenwart beleuchtet jetzt das Pfinzgaumuseum in seiner Sonderausstellung „Wasser marsch“.

Das prägnanteste Stück bildet den räumlichen wie auch den konzeptionellen Mittelpunkt im Ausstellungraum in der Karlsburg. Um das liebevoll und aufwändig restaurierte Original der Feuerspritze aus dem Jahre 1846 gruppieren sich jede Menge weiterer Exponate wie ein handlicher Feuerlöschapparat namens „Spritztüte“, ein Atemschutzgerät aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert, Schläuche unterschiedlicher Provenienz und Stärke, lederne Löscheimer, Helme und Uniformen. Dazu Gemälde, Fotos, Schriftstücke und Videos von Interviews mit Zeitzeugen der Wehr.

Schau zum Anfassen

Thematisch und didaktisch gegliedert hat das Team um Museumsleiter Dr. Ferdinand Leikam und Kuratorin Melanie Diehm die Präsentation in die fünf Kapitel „Gründungsgeschichte“, „Organisation und Mitglieder“, Vereinskultur und Feiern“, Gebäude und Ausrüstung“ sowie „Einsätze“. Zur lebendigen Vermittlung der facettenreichen Geschichte gehört aber noch ein weiterer Aspekt. Kuratorin Diem war es wichtig, den jungen Besucherinnen und Besuchern „Feuerwehr zum Anfassen“ zu bieten. Und so können die kleinen (aber auch große) Feuerwehr-Fans in bei Einsätzen getragene Stiefel steigen, sich unterschiedliche Jacken überstülpen oder auch Feuerwehrbeile in die Hand nehmen.

Mannschaft und Technik

Die Mitte des 19. Jahrhunderts hochmoderne Feuerspritze aus der Produktion der Maschinenfabrik Carl Metz ist nicht nur Prunkstück in „Wasser marsch“, sondern auch Ausgangspunkt und Symbolbild der Freiwilligen Feuerwehr Durlach. Als sie Stadtbaumeister Christian Hengst besorgte, fehlte ihm noch eine Mannschaft, die das neue Gerät bedienen konnte. Dazu ließ er 48 Männer, die für diese Aufgabe geeignet erschienen, am 27. Juli 1846 in den Rathaussaal kommen. Das war der Gründungtag der Freiwilligen Feuerwehr Durlach. Ihre erste Bewährungsprobe bestand die Pompier-Corps genannte Wehr am 28. Februar 1847. Da gelang es ihr, mit der Stadtspritze den Brand des Karlsruher Hoftheaters einzudämmen. „Moderne Technik bedient von hochmotovierter Mannschaft mit klaren Aufgaben sind bis heute das Erfolgsrezept“, unterstrich OB Dr. Frank Mentrup bei der Eröffnung der Ausstellung. Gleichzeitig dankte er der Feuerwehr „für ihren unersetzlichen Beitrag für die Allgemeinheit“.

Die Tochter macht das Rennen

Am Ende einer von Kulturamtsleiterin Dr. Susanne Asche moderierten Runde brachte Ferdinand Leikam noch ein wenig Licht in den Streit um den Titel älteste Freiwillige Feuerwehr Deutschlands. War es die aus Meißen, die sich bereits 1840 begründete? Nein, die ging nicht aktiv zum Löschen auf die Flammen zu, verhinderte nur ein Übergreifen auf Nachbargebäude. Die Durlacher Wehr? Nicht ganz, nicht alle Gründungsmitglieder waren freiwillig dabei. Das Rennen macht nach neuestem Forschungsstand die Tochter in der Fächerstadt: Leikam: „Die Freiwillige Feuerwehr Karlsruhe ist die älteste Deutschlands, sie entstand 1847 nach Durlacher Vorbild, aber aus lauter Freiwilligen“. -trö-

„Wasser marsch“ ist bis zum 30. Januar 2022 bei freiem Eintritt zu sehen. Öffnungszeiten: mittwochs von 10 bis 18 Uhr, samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Weitere Infos: www.karlsruhe.de/pfinzgaumuseum

 
 

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