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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 30. Juli 2021

Stadtgeschichte: Ausgezeichneter Jurist

KONTINUITÄT: Gustav Trunk war ein Jahrzehnt lang badischer Justizminister. Foto: GLA 231 Nr. 2937 (880)

KONTINUITÄT: Gustav Trunk war ein Jahrzehnt lang badischer Justizminister. Foto: GLA 231 Nr. 2937 (880)

 

Staatspräsident Gustav Trunk vor 150 Jahren geboren

Ein Jahrzehnt lang ununterbrochen das selbe Ministeramt zu bekleiden war für Politiker während der Weimarer Republik keineswegs die Regel. Gustav Trunk bildete hier eine Ausnahme, denn als er im November 1929 als Badischer Justizminister zurücktrat, lagen zehneinhalb Dienstjahre hinter ihm.

Damit zählte der vor 150 Jahren geborene Jurist zu den Grundpfeilern der noch jungen badischen Demokratie. Zusätzlich zu seinem Ministerposten amtierte Trunk 1920/21, 1925/26 und 1927 gleich dreimal als badischer Staatspräsident.

Möglicherweise lag diese Kontinuität daran, dass Trunk die richtigen Voraussetzungen mitbrachte: „Er war ein konservativer Mann, ausgezeichneter Jurist, politisch abgeklärt, ohne Leidenschaft“ – so charakterisierte ihn sein politischer Weggefährte Ernst Föhr. Dazu kam eine tiefverankerte Religiosität, die der Lehrersohn spätestens seit seinem Aufenthalt in der Sasbacher Heimschule Lender empfand. Dort absolvierte er den größten Teil der Schulzeit, weil sein Vater berufsbedingt häufig umzog. Der Geburtsort Waldprechtsweier, in dem Trunk am 24. Juli 1871 zur Welt kam, war denn auch eher zufälliger Natur.

Nachdem Gustav Trunk in Heidelberg und Berlin Jura studiert hatte, ließ er sich 1900 als Anwalt in Karlsruhe nieder. Seine politische Heimat fand der überzeugte Katholik in der Zentrumspartei, für die er von 1911 bis 1919 im Gemeinderat saß. Obwohl Trunk später betonte, er habe „nie den Ehrgeiz, weder Absicht noch Streben, je ein besonderes politisches Mandat zu erhalten“ gehabt, gab er 1918/19 dem „von mir als dringlich und unausweichlich empfundenen Gebot der besonderen Umstände und Zeitverhältnisse“ nach. Der Übergang von der Monarchie zur Republik musste bewerkstelligt werden. In der provisorischen Regierung war Trunk als Ernährungsminister jedoch „ein absoluter Fehlgriff“, urteilte sein Parteifreund Heinrich Köhler seinerzeit. Das Justizressort dagegen passte besser, dort erwarb Gustav Trunk große Verdienste unter anderem um die Reform des Strafvollzugs und die Fürsorgeerziehung. Zermürbt von innerparteilichen Querelen zog sich der zweifache Vater 1930 aus der Politik zurück, um wieder als Anwalt zu arbeiten. Gustav Trunk starb am 23. April 1936 in Karlsruhe. -eck-

 
 

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