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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 8. Oktober 2021

Bürgerwehr: Erinnerung an 300 Jahre Tradition

Farbenfroher Besuch: OB Mentrup, Landeskommandant Böhm und Bürgermeister Käuflein (v.r.) begrüßten die Abordnungen historischer Bürgerwehren zu ihrem Treffen im Rathaus  Foto: Hertweck

Farbenfroher Besuch: OB Mentrup, Landeskommandant Böhm und Bürgermeister Käuflein (v.r.) begrüßten die Abordnungen historischer Bürgerwehren zu ihrem Treffen im Rathaus Foto: Hertweck

 

Kommandeurstagung im Rathaus zum Jubiläum der Historischen Bürgerwehr Karlsruhe

Uniformen, Waffen und Helme prägten am vergangenen Sonntag das Bild im Bürgersaal des Rathauses. Allerdings gab es dort keineswegs einen Putschversuch, sondern ein höchst friedliches Treffen von Vertretern aus 20 historischen Bürgerwehren. Dass die badisch-südhessische Kommandantentagung auf Einladung der Stadt im Rathaus stattfand, lag an dem besonderen Anlass, denn die gastgebende historische Bürgerwehr Karlsruhe feierte ihr 300 Jahre währendes Bestehen.

Wenngleich die Feierlichkeiten Corona-bedingt etwas auf Sparflamme gehalten werden mussten, so belegte alleine das kurze Defilee der rund 90 Ehrengäste in ihren bunten Uniformen von der Evangelischen Stadtkirche zum Festlokal, dass „wir Bürgerwehren schon etwas Besonderes sind“, wie Landeskommandant Hans Joachim Böhm feststellte. Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup unterstrich dies bei der Eröffnung der Kommandantentagung: „Wenn Sie durch die Stadt gehen, sind die Leute begeistert.“ Die Karlsruher Bürgerwehr würdigte das Stadtoberhaupt als „eine sehr farbenfrohe und traditionsreiche Erinnerung daran, wie Bürgerinnen und Bürger sich selbst schützen können“.

Ihre Wurzeln gehen bis in das Jahr 1721 zurück, als sich nur sechs Jahre nach der Stadtgründung eine Schützengesellschaft bildete, aus der sich wiederum später die Bürgerwehr entwickelte. Damit handle es sich um den ältesten Verein in Karlsruhe, der „bis heute als historischer Verein authentisch ein Stück Stadtgeschichte verkörpert“, betonte Bürgermeister Dr. Albert Käuflein. Um den Stadtbewohnern ein Leben in Frieden und Sicherheit zu ermöglichen, stellte die Bürgerwehr mit Grenadieren, Scharfschützen und Artilleristen die Wach- und Schutzfunktion sicher sowie anfangs auch die Brandbekämpfung.

Bis 1848 war ihre Stärke auf rund 2.600 Mann angewachsen, was knapp zehn Prozent der gesamten Stadtbevölkerung entsprach. „Geschichtsbewusste Lokalpatrioten wissen aber auch“, so merkte der OB an, „dass die Bürgerwehr in der Revolution von 1848/49 auf der Seite des Großherzogs gekämpft hat“. Mit ihren aktuell 110 Mitgliedern nehme die heutige Bürgerwehr die wichtige Aufgabe wahr, „durch Präsenz im Stadtbild an Heimat- und Kulturgeschichte zu erinnern“, hob Mentrup hervor. Zugleich werde heutigen Stadtbewohnern die Bedeutung gemeinschaftlichen Engagements verdeutlicht. Gerade in Zeiten einer sich immer stärker fragmentierenden Stadtgesellschaft sei es wichtig, dass „das Gefühl für Zusammenhalt nicht verloren geht“. -eck- 

 
 

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