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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 26. November 2021

Einbürgerungsfeier im Konzerthaus: „Hier fühle ich mich wohl“

EXEMPLARISCH für rund 480 Neubürgerinnen und Neubürger überreichte OB Mentrup (links) Ibrahima Sylla im Rahmen einer Feierstunde im Konzerthaus die Einbürgerungsurkunde. Foto: Knopf

EXEMPLARISCH für rund 480 Neubürgerinnen und Neubürger überreichte OB Mentrup (links) Ibrahima Sylla im Rahmen einer Feierstunde im Konzerthaus die Einbürgerungsurkunde. Foto: Knopf

 

Zukunft der Stadt mitgestalten, Potenziale einbringen

Rund 480 Menschen nahmen zwischen dem 1. Oktober 2020 und dem 31. Oktober 2021 in Karlsruhe die deutsche Staatsbürgerschaft an. Etwa ein Drittel von ihnen kam kürzlich zur Einbürgerungsfeier, die erstmalig im Konzerthaus stattfand. Zuletzt fiel die Feier der Pandemie zum Opfer. Umso mehr freute sich OB Dr. Frank Mentrup „über das besondere Ereignis“. Im Namen der Stadt gratulierte er Neubürgern, die beispielsweise syrische, türkische, senegalesische oder kroatische Wurzeln haben. „In Zukunft werden Sie unser Land mitgestalten. Sie gehören zu Karlsruhe und bereichern die Stadt mit ihren Potentialen und Hintergründen“, betonte das Stadtoberhaupt.

Unabhängig davon, ob die sie einer unterdrückten Minderheit angehören, um Leib und Leben fürchten mussten, der Liebe oder des Berufs wegen in die Fächerstadt kamen – hier könnten sie sich entfalten, auch mit ihrer Familie. Mentrup sagte weiter, er könne sich vorstellen, dass manchem die Entscheidung, eine neue Staatsbürgerschaft anzunehmen, nicht ganz leicht gefallen sei. Umso mehr gratulierte er zu dem „Schritt in einen neuen Lebensabschnitt“. Die Bundesrepublik sei ein klassisches Einwanderungsland, erinnerte der OB an das deutsch-türkische Anwerbeabkommen vor 60 Jahren, und: „Auch in Zukunft ist eine Prosperität ohne Zuzug nicht darstellbar.“

Im festlichen Ambiente des Konzerthauses schaffte das Orchester I des Helmholtz-Gymnasiums den lässigen Spagat von Schubert über John Lennons „Imagine“ bis zur Nationalhymne. Stellvertretend für die Neubürger sprach Ibrahima Sylla. Der Übersetzer erzählte seine Lebensgeschichte, die ihn ins Badische brachte. „Es ist mir eine Ehre, hier für alle zu sprechen. Denn wir feiern etwas Schönes und Wichtiges.“ Erstmals sei er 2012 in Deutschland gewesen, vorher hatte Sylla sich ein Vokabelheft angelegt und wichtige Verhaltensregeln einstudiert – von einer schon früher gelesen. Man müsse an einer roten Ampel unbedingt stehen bleiben.

„Ich war der Einzige, der stehen blieb. So viel zu Klischees und Vorurteilen“, meinte er schmunzelnd. Seine Familie hatte ihm damals geraten, nach Frankreich zu gehen, denn auch im Senegal, wo er herstammt, spricht man Französisch. Zudem kamen Landsleute in sein Dorf zurück, die in Deutschland gescheitert waren. Er entschied sich dennoch für den Weg hierher und bereute es nicht.

Sylla berichtete zudem von einer entscheidenden Phase seines Ankommens. Wie jeder gesellte er sich in der Fremde zunächst zu Landsleuten, damals in Berlin. Dort, im Görlitzer Park, bot ihm einer einen Drogen-Deal und 100 Euro an. „Wenn ich damals eingeschlagen hätte, hätte es mich kaputt gemacht. Ich hatte Glück. Hier in Karlsruhe fühle ich mich wohl“, endete Ibrahima Sylla unter viel Applaus. -voko-

 
 

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