Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 7. Januar 2022

Eingemeindungen: Karlsruhe klettert den Berg hinauf

OB DULLENKOPF und Stupferichs Bürgermeister Doll (r.) unterzeichneten Eingemeindungsvertrag. Foto: Schlesiger/Stadtarchiv Karlsruhe

OB DULLENKOPF und Stupferichs Bürgermeister Doll (r.) unterzeichneten Eingemeindungsvertrag. Foto: Schlesiger/Stadtarchiv Karlsruhe

NEUE ORTSSCHILDER für den Stadtteil Hohenwettersbach. Foto: Schlesiger/Stadtarchiv Karlsruhe

NEUE ORTSSCHILDER für den Stadtteil Hohenwettersbach. Foto: Schlesiger/Stadtarchiv Karlsruhe

 

Stupferich und Hohenwettersbach wurden am 1. Januar 1972 neue Stadtteile

Oberbürgermeister Otto Dullenkopf wertete es rückblickend sogar als „bedeutendsten Erfolg“ seiner Amtszeit: Als erste Gebietserweiterung Karlsruhes in der Nachkriegszeit wurden vor 50 Jahren am 1. Januar 1972 die Bergdorf-Gemeinden Stupferich und Hohenwettersbach zu neuen Stadtteilen. Damit war auch der Auftakt zu weiteren Gebietszuwächsen der 70er Jahre markiert.

„Nicht Großmannssucht war es, was mich dazu trieb“, notierte Dullenkopf später, sondern vielmehr handfeste wirtschaftliche Erwägungen. Schon damals war die Stadtflucht ein Problem, immer mehr Einwohner zogen ins Umland, während gleichzeitig die Ausgaben der Stadt für Kliniken oder Schulen zunahmen. Dem trug 1971 die baden-württembergische Gemeindeordnung Rechnung, indem Gebietsänderungen „aus Gründen des öffentlichen Wohls“ forciert wurden.

Stadterweiterungen galten jedoch speziell im Karlsruher Umland noch als heißes Eisen, denn bei der letzten Eingemeindung zuvor hatte sich Durlach 1938 dem Willen der nationalsozialistischen Machthaber beugen müssen. Somit bedurfte es beim „Brautwerben“ in den Bergdörfern schon ein wenig taktischen Geschicks, immerhin stand auch die Option einer Großgemeinde aus Wolfartsweier, Stupferich, Hohenwettersbach, Grünwettersbach und Palmbach zur Diskussion. Während sich Wolfartsweier bei einem Bürgerentscheid für diese Variante aussprach, stimmte in Stupferich und Hohenwettersbach jeweils eine große Mehrheit für die Eingemeindung nach Karlsruhe.

Neben den engen Verflechtungen mit der Nachbarstadt dürften hierfür sicher auch finanzielle Aspekte den Ausschlag gegeben haben, denn Karlsruhe stellte erhebliche Investitionsmittel für Baugebiete, Straßenerneuerung oder Wasserversorgung in Aussicht. Stupferich sollte fünf Millionen Mark erhalten und Hohenwettersbach sogar sieben Millionen, verteilt auf zehn Jahre. Für die notorisch klamme Gemeinde war das mehr als nur ein Trostpflaster, um den Verlust der gerade einmal 107 Jahre vorher erlangten Eigenständigkeit zu verschmerzen.

In den kurz vor Weihnachten 1971 unterzeichneten Eingemeindungsverträgen wurden neben den verschiedenen Investitionen unter anderem die Ortschaftsverfassung vereinbart, so dass die bisherigen Bürgermeister Josef Doll und Erwin Gräber künftig als Ortsvorsteher amtieren konnten. Weiter legten die Verträge fest, dass „das örtliche Brauchtum und das kulturelle Eigenleben der bisherigen Gemeinden unangetastet bleiben“. -eck- 

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe