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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 14. Januar 2022

Mühlburger Kriegerdenkmal: Zeichen gegen völkische Ideologie

AUFKLÄRUNG: Bürgermeister Dr. Albert Käuflein stellte die neue Kommentierungsstele am Mühlburger Kriegerdenkmal vor. Foto: MMG

AUFKLÄRUNG: Bürgermeister Dr. Albert Käuflein stellte die neue Kommentierungsstele am Mühlburger Kriegerdenkmal vor. Foto: MMG

 

Stadtarchiv hat eine erläuternde Stele für das Mühlburger Kriegerdenkmal erstellt

„Ungeliebte Denkmale“ – was 2013 als Motto für den Denkmaltag gewählt wurde, ist aktueller denn je. Auch in Karlsruhe gibt es solche ungeliebten Monumente und zu ihnen zählt das Kriegerdenkmal auf dem Mühlburger Lindenplatz. Weil durch die Inschriften dort in besonderem Maß der Krieg verharmlost und idealisiert wird, erhielt das Denkmal jetzt eine vom Stadtarchiv gestaltete kommentierende Stele.

„Es werden drei Hauptinhalte transportiert, mit denen wir heute nicht mehr einverstanden sind“, begründete Bürgermeister Dr. Albert Käuflein bei der Vorstellung der Stele deren Notwendigkeit. Soldaten würden als Helden verehrt, ihr Tod gelte als Opfer für den Kaiser und zudem werde der Krieg generell legitimiert. Insbesondere die Inschrift auf Frontseite des Denkmals, die den Tod auf dem Schlachtfeld als „Arbeit fürs Volk“ und als „Gewinn“ bezeichnet, sei nach Ansicht Käufleins „Ausdruck eines völkischen und überhöhten nationalistischen Denkens“.

Diese Inschrift war allerdings noch kein Bestandteil des 1887 eingeweihten Kriegerdenkmals. Als eines von deutschlandweit über 1.000 in ähnlicher Obelisken-Form errichteten Monumenten sollte es an den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 erinnern, dem zwei Soldaten aus Mühlburg zum Opfer gefallen waren.

Erst die Umgestaltung durch den Mühlburger Kriegerverein zum Gefallenendenkmal für den Ersten Weltkrieg brachte 1931 die völkische Ideologie hinein. Auch an dieses Kapitel deutscher Geschichte erinnert die Kommentierungs-Stele, indem die Kriegervereine als „gesellschaftliche Basis des Deutschen Militarismus“ sowie „Hort antidemokratischen Denkens“ bezeichnet werden.

Ein Abbau ungeliebter Denkmäler sei indessen für die Stadt kein Thema, verdeutlichte Käuflein, denn dabei würde man „Geschichtsklitterung“ betrieben. Denkmäler seien Teil der Erinnerungskultur. Auch wenn man sich aus heutiger Sicht von den Inhalten distanzieren müsse, „lassen wir es stehen und kommentieren es“.

Dies war bereits 2015 von der Gemeinderatsfraktion der Grünen beantragt worden und hatte Eingang in den Leitfaden zur Erinnerungskultur gefunden. „Wo besonders menschenverachtende Aussagen enthalten sind“, so die Leiterin des Stadtarchivs, Dr. Katrin Dort, sollen auch weiterhin Kommentierungsstelen angebracht werden. Als nächstes Projekt kündigten Käuflein und Dort für dieses Jahr eine Stele am Leibdragonerdenkmal beim Mühlburger Tor an. -eck-

 
 

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