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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 13. Mai 2022

Sozialberatung und Suppenküche

Im Gespräch: Solange Rosenberg und OB Mentrup (beide Mitte) in den Räumlichkeiten der Jüdischen Gemeinde Karlsruhe. Foto: MMG

Im Gespräch: Solange Rosenberg und OB Mentrup (beide Mitte) in den Räumlichkeiten der Jüdischen Gemeinde Karlsruhe. Foto: MMG

 

Jüdische Gemeinde betreut mehr als 600 Geflüchtete aus der Ukraine / OB zu Besuch

„Zu Beginn hätte man den Eindruck bekommen können, dass wir einen Bahnhof eröffnet haben“, berichtet Solange Rosenberg, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Karlsruhe, schmunzelnd. Sie spricht dabei von den verschiedenen Hilfsaktionen der Gemeinde für ukrainische Geflüchtete, die schnell überrannt waren und sich inzwischen zu Großprojekten ausgewachsen haben.

„Das Wichtigste ist die Sozialberatung“, betont Geschäftsführer Daniel Nemirovsky. Dabei gehe es um Arbeitserlaubnis, Schulpflicht, Krankenversicherung oder Deutschkurse, bei deren Organisation viele Geflüchtete sprachlich Unterstützung benötigten. Dies ist für die Jüdische Gemeinde ein Kinderspiel. „Uns war nicht klar, dass 80 bis 90 Prozent unserer Mitglieder russische oder sogar ukrainische Wurzeln haben“, erzählt Nemirovsky. Entsprechend groß war auch die Verbreitung über „Buschfunk“: Mehr als 600 Geflüchtete haben schon Beratung und Hilfe aller Art in Anspruch genommen. „Hierfür haben wir auch 1,4 Stellen aufstocken können“, betont Rosenberg.

Mit 6000 Euro für Lebensmittel hat die Gemeinde zudem eine Suppenküche eröffnet, bei der die Menschen mittags „etwas Warmes in den Bauch“ bekommen können und anschließend für Behördengänge ihre Kinder beaufsichtigt wissen. Auch das Kulturprogramm – etwa Schach oder Tanzkurse – wurde geöffnet. Nicht zuletzt hilft die Gemeinde bei der Suche nach Verwandten und Bekannten. Dies beeindruckt Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup bei seinem Besuch vor Ort. „Wir müssen in der Öffentlichkeit deutlich machen, dass sich gerade Menschen mit starken Bezügen zu Russland als Gruppe engagieren“, betont er. Zunächst selbstverständlich humanitär – in Anbetracht des Krieges sende dies jedoch auch eine positive politische Botschaft. „Die meisten Geflüchteten waren zu Hause etabliert und standen mitten im Leben“, berichtet Rosenberg weiter. Sie wollten so schnell wie möglich in ihre Heimat zurückkehren und nicht den Eindruck einer Bittsteller-Mentalität hinterlassen. -bea-

 
 

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